Betrifft Kinder

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Ein Erfahrungsbericht
 

Südkorea gehört weltweit zu den Spitzenreitern im Bildungsbereich. Gleichzeitig steht es im Ruf, besonders viel Leistung und Disziplin von den Kindern zu fordern. Um so mehr wunderte es Jennifer Hildebrandt, dass sie und ihre Kollegin Stephanie Bauer als Referentinnen für Reggio-Pädagogik nach Südkorea eingeladen wurden. Sie berichten über eine Reise und das Aufeinandertreffen zweier Bildungswelten.



Die Anfrage aus Südkorea kam per E-Mail. »Es wäre für uns eine Ehre und große Anregung, wenn Sie einen Vortrag über die Resultate und neuen Ansätze der Reggio-Pädagogik in Deutschland vor ca. 200 TeilnehmerInnen halten würden«, schrieb Mr. SoonSeop Song vom Institut Spiel Wald Co., Ltd. und weckte damit sofort unser Interesse. Stephanie Bauer und ich sind für die Apoidea reggio-orientierte Erziehung, Bildung und ganzheitliche Persönlichkeitsentfaltung e.V. in Hamburg tätig, sie als geschäftsführender Vorstand und ich für die Öffentlichkeitsarbeit. Frau Bauer gehört darüber hinaus dem Vorstand von Dialog Reggio Deutschland an und hatte bereits durch das Internationale Netzwerk von Reggio Children erste Kontakte und Einblicke in die weltweite Reggio-Arbeit gesammelt. Unabhängig von der jetzigen Anfrage, gab es bereits ein Kennenlernen mit einer Reggio-Vertreterin aus Seoul. Bereist hatten wir Südkorea jedoch beide noch nicht und es reizte uns, eine andere Kultur zu erleben, besonders in Bezug auf das frühkindliche Bildungssystem. 


Wenige Analphabeten, viel Disziplin

Bevor wir uns auf die zehn Stunden lange Flugreise begaben, informierten wir uns über das Bildungswesen des ostasiatischen Staates. Süd- und vor allem Nordkorea stehen für Disziplin und Strenge. Nicht ohne Grund gehört Südkorea im Bildungsbereich zu den weltweiten Spitzenreitern. Das Bildungswesen wird zentral aus dem Regierungshaushalt finanziert, wobei etwa die Hälfte der Oberschulen und rund 80 Prozent der Hochschulen in privater Trägerschaft sind. Mit rund 20 Prozent ist der Bildungsetat der koreanischen Regierung der größte Einzelposten im Staatshaushalt (davon ca. 87 Prozent für das Schulwesen und 12 Prozent für Hochschulen). Dies führt nicht nur dazu, dass die Analphabetenrate mit 2 Prozent zu den niedrigsten der Welt gehört, sondern ist sicherlich auch einer der Gründe für die Spitzenplätze, die das Land bei den PISA-Studien der OECD in den einzelnen Kategorien erreicht hat.1 

Zu wenig Beachtung findet unserer Meinung nach allerdings der soziale Kontext, der Kindern mit dem richtigen Gleichgewicht von persönlicher Entfaltung und Achtsamkeit gegenüber Umwelt und Gesellschaft einen passenden Weg durch die Welt ebnet. Folgende Aspekte, die der ganzheitlichen Denkweise der Reggio-Pädagogik entspringen, bleiben in der südkoreanischen Elementarbildung bislang unbeachtet:

  • ressourcenorientiertes Handeln, d.h. das Erkennen, Aktivieren und Erweitern individueller Stärken;
  • die besondere Gestaltung von Räumen, um Strukturen zu schaffen, die zugleich Halt geben und Freiräume offen lassen für die Entfaltung der eigenen Kreativität; 
  • das Schaffen eines Bewusstseins für die Wirkungen des eigenen Handelns auf das eigene Umfeld und die Ausrichtung eigener Entscheidungen nach Nachhaltigkeit für Umwelt und Gesellschaft; 
  • das Handeln in einer Gemeinschaft, in der ein Miteinander- und Voneinanderlernen und ein Miteinanderwachsen möglich ist;
  • das Ermöglichen von Partizipation, die eine Grundlage für demokratisches Handeln ist und zur gesellschaftlichen und politischen Teilhabe beiträgt;
  • die Begegnung auf Augenhöhe, unabhängig von Alter, Kultur, sozialem Status oder persönlicher Gesinnung;
  • der Aufbau von lokalen und internationalen Netzwerken als Partnerschaften, womit der gesellschaftliche Zusammenhalt gestärkt und Austausch gefördert wird, um neue Denkanstöße zu erhalten und weiterzugeben.2


Vor Ort erlebten wir, dass auf Seiten der ErzieherInnen das Bewusstsein für einen fehlenden Dialog auf Augenhöhe zwischen Erwachsenen und Kindern im eigenen Bildungssystem teils vorhanden ist. Diese Art der Begegnung gilt es zu ermöglichen. 


Den vollständigen Beitrag und weitere Artikel zum Thema können Sie in unserer Ausgabe Betrifft KINDER 01-02/17 lesen.
 


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