»Hilf mir, es selbst zu tun«
Maria Montessori
Liebe Leser:innen,
lassen Sie uns den Blick auf die Frage richten, wie Kinder in der Kita gesehen werden. Als eigenständige Persönlichkeiten mit Rechten, Erfahrungen und Perspektiven? Oder vor allem durch die Brille unserer Erwartungen, Routinen und Vorstellungen? Ein möglicher Ausgangspunkt dafür sind die Kinderrechte.
Wie wir sie als Kompass für die Gestaltung von Beziehungen, Räumen und Beteiligungsmöglichkeiten nutzen können, beschreibt die Erziehungswissenschaftlerin Caroline Ali-Tani. Wie Kinder Gleichwürdigkeit, Gleichberechtigung und Zugehörigkeit nicht nur als Worte kennenlernen, sondern im Alltag erleben können, zeigen auch Alice Hildebrandt und Laura Hrabowski vom Institut für den Situationsansatz.
Dass Wahrnehmung nie voraussetzungslos ist, thematisiert Anja Cantzler. Sie lädt dazu ein, die eigene Biografie als Einflussfaktor pädagogischen Handelns zu reflektieren.
Daran knüpft unser Gespräch mit dem Erziehungswissenschaftler Samuel Kähler an. Er hinterfragt kritisch, welche Vorstellungen sich hinter dem viel beschworenen »Bild vom Kind« verbergen und für wen solche Zuschreibungen eigentlich hilfreich sind. Weil sich die pädagogische Haltung in der Praxis zeigt bzw. beweisen muss, reflektiert die Leiterin Anika Talhoff die Rolle von Fotografien im Kita-Alltag. Sie erinnert daran, dass Kinder keine Motive sind, und stellt die Frage, ob der Abschied von der traditionelle Kita-Fotografie ein wichtiger Schritt hin zu einer kindgerechteren Praxis sein könnte.
Kinderschutz beginnt dort, wo Kinder sich wahrgenommen und gehört fühlen. Das vermittelt der Erzieher Ziad Latif in seinem Bericht von einer Begegnung, die seinen pädagogischen Blick verändert hat. Seine Erfahrungen werfen die Frage auf, wie wir Kommunikation verstehen und welche Ausdrucksformen wir wahrnehmen. Nicht jedes Kind spricht mit Worten. Umso wichtiger ist es, aufmerksam für das zu bleiben, was Kinder auf andere Weise mitteilen.
Kinder reagieren sensibel wie ein Seismograf darauf, ob Erwachsene ihnen wirklich zuhören, ihre Sicht ernst nehmen und ihre Erfahrungen achten. Wirksamer Kinderschutz braucht die Perspektiven der Kinder.
Ihr Redaktionsteam von Betrifft KINDER



